Microadventure in der nachhaltigen Mountainbike-Entwicklung

Von desire lines I Norman|1. Oktober 2018|Allgemein|0 Kommentare

Nachhaltige Entwickung avanciert in den letzten Jahren zum Modebegriff – egal ob es um Standort-, Regional- oder auch Tourismusentwicklung geht. Doch Berg- und Outdoorsport bleibt in den meisten Fällen auf Grund der Anreise immer auch Motorsport. Der Trend zu Microadventures weist eine mögliche Maßnahme hin zu mehr echter Nachhaltigkeit im Mountainbike-Tourismus und bietet vor allem Mittelgebirgen eine große Chance für die Entwicklung eines neuen Selbstverständnisses.

Der englische Abenteurer Alastair Humphreys griff vor drei Jahren schon in England den Trend zu kleinen Alltagsabenteuern auf:

In Deutschland ist es vor allem Gunnar Fehlau mit seinen Overnightern, der diesen kleinen Abenteuern einen Platz verschaffte. Mittlerweile hat sich daraus ein kleiner Trend entwickelt.

Was sind Microadventure?

Das sind zugängliche, kleine Abenteuer, die sich mit dem Alltag sehr gut vereinbaren lassen. Alastair Humphreys greift die Idee eines 5 to 7 auf – also von Feierabend bis Arbeitsbeginn. Man erkundet von zu Hause aus die Umgebung, übernachtet und kommt morgens wieder zurück. Logischerweise lassen sich diese kleinen Abenteuer vor allem am Wochenende auch etwas ausbauen und der Radius kann größer werden. Das Rad/Mountainbike ist das perfekte Vehikel für solche Alltagsfluchten – der Radius in dem man sich bewegt ist relativ groß, eine Vielzahl an Wegen kann genutzt werden und das Gepäck findet problemlos am Rad seinen Platz.

Die eigene Region erkunden, Spaß haben und vom Alltag abschalten. Nachhaltigkeit durch den Verzicht auf motorisierte Anreise heisst nicht auf Erlebnisse verzichten zu müssen.

Was hat das nun mit nachhaltiger Entwicklung zu tun?

Ganz einfach. Umso öfter Menschen auf das Auto verzichten und stattdessen von zu Hause aus unterwegs sind sehen wir einen Verzicht, vor allem einen Verzicht an CO2-Ausstoß. Ich hatte beispielsweise Ende vergangener Woche ein kurzes Zeitfenster frei. Ein kurzer Alpentrip sollte es vielleicht werden – und so überlegte ich in welche Region ich fahren sollte, bis ich Abends für mich feststellte, dass ich keine Lust auf 3-4 h Anfahrt habe, sondern lieber direkt von zu Hause aus starte. So habe ich am Abend noch ein Ziel für mich festgelegt, mir bei komoot eine Route erstellen lassen und fuhr am nächsten Morgen einfach los. Eine Übernachtung auf der Hütte und am nächsten Morgen über eine andere Route zurück. Die Vorbereitung inkl. Packen war in 30 min erledigt – Spezialausrüstung war auch nicht notwendig und das Erlebnis war wirklich toll.

Ankunft auf der Schareben mit dem Gravel-Bike. So entsteht ein kleines nachhaltiges Microadventure.

Und welche Rolle spielen nun deutsche Mittelgebirge dabei?

Ein Großteil der deutschen Mittelgebirge generiert 50 – 70 % des touristischen Umsatzes über Tagestouristen aus der Region und dem Umkreis. Auch hier fahren immer noch viele mit dem Auto an und übernachten nicht. Der Trend zu Microadventures lässt sich in dieser Gruppe ideal aufgreifen und zielgerecht vermarkten. Mit dem Start vor der Haustür lernen Menschen ihre Umgebung noch besser kennen – die Wertschätzung für die Region steigt, was ein wichtiges Standbein in der Standortentwicklung ist. Tagestouristen werden idealerweise immer mal wieder zu Übernachtungsgästen und steigern auf diese Weise die touristische Wertschöpfung in der Region. Zudem wird der motorisierte Verkehr in der Region gesenkt. Ziel muss es sein diese kleinen Erlebnisse möglichst zugänglich zu machen und attraktiv. Ein kleines Lagerfeuer am Abend, verschiedene Menschen und Routen abseits der Hotspots. Auf diese Weise kann außerdem eine attraktive Besucherlenkung stattfinden und durch kleine Impulse in der Produktentwicklung und Kommunikation ein nachhaltiger Entwicklungsfokus gesetzt werden.

Mit dem Gravel-Bike entdeckt man die versteckteren Orte in der Region.

Und wie komme ich als Destination ins Handeln?

Zahlreiche Hütten in den Mittelgebirgen haben regelmäßige Stammtischabende – warum nicht mit verschiedenen Hütten einmal im Monat einen Abend für Microadventure reservieren und entsprechend vermarkten. Die Menschen suchen sich er Navigationsapp ihre Route und buchen sich für eine Übernachtung ein – die Hütte sorgt für Speis, Trank und vielleicht ein kleines Lagerfeuer. Oder man baut eine solche Tour auf 2 Übernachtungen aus und lässt sie sinnvoll an einem Bahnhof enden, um so den Rücktransport sicherzustellen.

Mountainbiker lieben noch immer Etappentouren – doch ist eine niederschwellige Zugänglichkeit Voraussetzung dafür, dass diese auch angenommen wird.

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Wald beruhigt und lässt Menschen entspannter werden. Ohne motorisierte Anreise wird es noch entspannter und sogar nachhaltig.

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