Erwartungshaltung vs. Realität – die positiven Effekte von Ehrlichkeit im Tourismus

Von desire lines I Norman|13. Februar 2018|Allgemein|0 Kommentare

Was haben Langlaufloipen, Loipenberichte und Webcams eigentlich mit Mountainbike-Tourismus zu tun? Was mit Erwartungshaltungen, mit bitterer Realität und der Erkenntnis das Ehrlichkeit einen hohen Stellenwert in touristischer Angebotskommunikation einnehmen sollte?
Eine kleine Anekdote aus dem Alltag.

Da das gleiche Langlaufgebiet auf Dauer doch langweilig wird, wollen wir an einem Wochenende das Loipennetz eines Tourismusortes zwei Hügel weiter testen. Kurze Internetrecherche – Loipen gestern frisch präpariert, selbst die Anschlussloipe, die wir auf Grund der damit kürzeren Anfahrt nehmen wollen. Nach 15 min Fahrt sind wir da. Einen Parkplatz suchen wir vergeblich, ebenso einen Hinweis auf den Einstieg zur Loipe. Gut, dass ich das Gebiet aus dem Sommer kenne und die Loipenkarte aus dem Internet interpretieren kann.

Ski angeschnallt und los geht es. Menschen sehen wir weit und breit keine. Die Loipe zieht sich angenehm den Berg hinauf. Präpariert wurde sie gestern allerdings nicht, maximal vor sieben Tagen, eher noch vor vierzehn. Sehr gut ist der Zustand auch eher nicht wie beschrieben – zahlreiche offene Stellen mahnen zur Vorsicht. Nach einigen Höhenmetern wird die Schneeauflage besser, dafür auch satter. Die Landschaft um uns herum ist toll – abwechslungsreich mit zahlreichen Tiefblicken in den Gäuboden und die Donauebene. Unten alles grün, hier um uns weiß gepuderte Buchenwälder. Wir fahren und sind immer begeisterter vom Loipenverlauf. Kurz vor der Schleife zurück noch ein Stück an einem Bach entlang, das Naturerlebnis ist wirklich unschlagbar. Auf dem Rundweg zurück dann plötzlich eine Absperrung, offensichtlich reicht der Schnee auf der unteren Schleife nicht mehr. Also wieder 150 hm aufsteigen und den Hinweg zurück.

Fazit

Zurück am Ausgangspunkt treffen wir einen einsamen Berliner, der ähnlich verdutzt ist, wie wir selber. Wir sprechen noch ein wenig und stellen alle fest, dass dies landschaftlich eine der schönsten Loipen der Umgebung ist, oft ist sie auch flach und damit auch Einsteiger-geeignet. Die Natur ist abwechslungsreich, das begeistert uns. Doch unsere Erwartungshaltung trübt den Eindruck – wir sind von guten Verhältnissen ausgegangen, nicht von einer halb verlassenen Loipe mit offenen Stellen. Hätten wir es gewusst, wären wir dennoch gekommen. Wir hätten die ältere Ausrüstung nehmen können und wir hätten gewusst was uns erwartet. Die Realität hätte uns nicht böse überrascht, lediglich die Natur äußerst positiv.

Die Ideallösung

Unser Hausgebiet an der Rusel oberhalb von Deggendorf löst das perfekt. Jeden morgen kurz nach acht wird der sehr ehrliche Loipenbericht veröffentlicht – im Ehrenamt durch den örtlichen Verein. Drei Webcams geben ein perfektes Stimmungsbild vom Zustand und so ist man nie überrascht vom Zustand, sondern immer richtig drauf eingestellt. Dieses Loipennetz ist sicherlich kein Highlight hier in der Umgebung – nicht falsch verstehen, es hat Charakter und ich liebe es, qualitativ gibt es sicherlich bessere. Doch diese ehrliche Kommunikation sorgt für volle Parkplätze und eine hohe Wiederholungsrate.

Was bedeutet das für Mountainbike-Tourismus?

Authentizität ist ein hohes Gut, und an vielen Stellen wird es gesteigert durch den Anspruch von Ehrlichkeit. Wenn ich als Destination Erwartungshaltung des Gastes und Realität in Einklang bringe, dann steigt der Erlebniswert des Gastes ungemein. Im Gegenzug dazu wird er bei ungünstigem Verhältnis dieser Parameter enttäuscht. Ehrlichkeit ist eine gute Währung, die sich zwar erst über die Zeit auszahlt, dafür aber langfristig einer Destination einen Marktvorteil verschafft. Natürlich kann diese Kommunikation keine ungenügenden Produkte ausgleichen, sie kann aber dafür sorgen, dass Gäste die Produkte bewusster, dankbarer und wiederholter wahrnehmen.

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