Entscheidet die Art der Signalisation über die Qualität eines Projekts?

Von desire lines I Norman|9. Januar 2018|Allgemein|0 Kommentare

Das neue Jahr ist gestartet, der Schnee schmilzt schon wieder und bei Open Trails wird das für und wider (vor allem aber das wider) von MTB-spezifischer Beschilderung diskutiert. Ist es wahr, dass MTB-Beschilderung unnötig ist? Das sie ersetzt werden kann durch GPS-Daten und damit das Geld für Wegeunterhalt zur Verfügung steht? Ein kurzer Abriss und eine Einordnung der Argumente.

Erst einmal ist es schön, dass es eine solche Auseinandersetzung und immer wieder diskussionswürdige Themen an dieser Stelle auf Facebook gibt. Eine MTB-spezifische Beschilderung macht aber noch lange kein, wie gern behauptet, schlechtes MTB-Konzept. Einen kausalen Zusammenhang zwischen Qualität eines Konzeptes und dem Vorhandensein von Beschilderung herzustellen misslingt, wo sollte dieser auch herkommen. Die Beschilderung ist ein Touchpoint in der Umsetzung des Konzeptes und in der Kommunikation mit Aktiven in der Natur (sowohl mit Mountainbikern, wie auch mit anderen Nutzern). GPS-Daten, Karten, … sind weitere solche Touchpoints.

Klar ist, ein gutes MTB-Konzept kann nicht von den Touchpoints her kommen. Diese ergeben sich aus dem Konzept, welches sich wiederum aus Gelände, der Gebietskulisse und Zielgruppe(n) ergibt. Rein lokale Naherholungskonzepte können sicherlich ohne spezielle Beschilderung auskommen, das ist vorstellbar. Touristische Konzepte, die einen niederschwelligen Zugang bieten sollen eher nicht. Wenn sich Erholungssuchende, die das Biken einfach mal ausprobieren möchten, sich ihre Tour mit Karte oder GPS suchen sollen, kann die Hürde schon zu hoch gesetzt sein. Wanderbeschilderung fehlt zudem flächendeckend in einigen deutschen Gebieten und ist im Normalfall nicht routenorientiert.

Der Fehler liegt nicht in der Beschilderung, sondern der Herangehensweise an ein Projekt. Professionell werden Projekte unter Bürger- und Leistungsträgerbeteilitung abgebildet. Aus Zielgruppe(n), Bedürfnissen, Gebietskulisse, Natur und Gelände ergibt sich ein tragfähiges Konzept. Hierbei wird für die Zukunft ein Wegemanagement installiert, Anspruchshaltungen werden ausgeglichen und auch die Kommunikation wird bedacht. Hierbei spielen die Touchpoints eine Rolle. Sie werden abgewägt nach Kosten, Nutzen und Folgen. Dabei wird wiederum angepasst und individualisiert. Eine spezielle Beschilderung kann hier ein echter Mehrwert sein.

Klar ist aber auch, wenn ein MTB-Konzept einfach darin besteht viel Strecke zu planen ohne Beteiligungsprozess und ohne saubere Vorüberlegung und -erhebung, dann sind die Weichen nicht gerade zukunftsfähig gestellt.

Schuld ist dann aber nicht die Beschilderung, sondern oftmals wurde dann ein Planer ausgewählt, der in der MTB-Materie wenig spezielle Expertise mitbringt. Hier sind Auftraggeber gefragt ihre Ausschreibungen kritisch zu prüfen ob diese Qualität einfordern oder eher quantitativ vorgehen.

Beschilderung als ein Touchpoint unter vielen entscheidet kaum über den Erfolg eines Projekts.

Sie ist ein Bestandteil, der wohl durchdacht und konzeptionell eingebettet sein muss um wie gewünscht positiv zu wirken, so wie alle anderen Touchpoints auch.

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